Was ist Power BI?

    Power Pivot, Power Query, Power BI und dann noch Power BI Desktop – bei so viel Power kommt man schnell durcheinander. In diesem Artikel erklären wir, was eigentlich Power BI oder Power BI Desktop ist.

    BI – mal ohne Power

    Business Intelligence (oder eben BI) ist ein Sammelbegriff für Werkzeuge, Prozesse und Methoden, um an Kennzahlen heranzukommen. Wie der Begriff vermuten lässt hauptsächlich in Unternehmen. Der Begriff entspringt dem Marketing. Allgemeine belastbare Definitionen gibt es daher nicht. Einfach gesagt: Es geht um Datenauswertungen im Unternehmen und alles was dazu gehört. Es geht also um Umsatzauswertungen, Liste der Top 10 Kunden, Warenkorbanalysen oder Fehlerhäufigkeiten in der Produktion.

    Die BI-Strategie bei Microsoft

    Microsoft arbeitet seit vielen Jahren in diesem Themengebiet – meiner Information nach seit ca. 1996, als die Version 6.5 (Hydra) des SQL-Servers veröffentlicht wurde. Vielleicht kennt der eine oder andere Leser noch die OLAP-Cubes, die via Excel erstellt wurden oder auch den SQL Server Analysis Service, der bis heute viele Evolutionssprünge durchgemacht hat.

    Das Problem bei allen Vorhaben, Kennzahlen im Unternehmen zu erheben und aktuell zu halten war und ist, dass zwischen Fachbereich und Technik ein tiefer Graben verläuft. Der Fachbereich kennt die Prozesse und weiß, was ausgewertet werden soll; die Technik hat die Hoheit auf die Datenbanken und wenig Zeit sich in Fachprozesse einzuarbeiten. BI-Werkzeuge sind meist komplex, teuer und zeitaufwändig zu erlernen. Externe BI-Berater beackern daher seit vielen Jahren genau diese Nische. Dadurch holen Abteilungen sich zwar sofort viel Erfahrung ins Unternehmen – entlassen sie aber auch wieder mit Projektende.

    Self Service BI

    Viele Werkzeuganbieter entwickeln Software für Endanwender, die diese befähigen, selbst Datenanalysen durchzuführen. Die Namen Tableau oder QlikView sind Ihnen sicher schon einmal über den Weg gelaufen. Der Begriff des Self Service BI wurde geboren.

    Self Service BI ist keine neue Idee, sondern ein Ist-Zustand, der mit diesem Begriff salonfähig gemacht wird. Viele Mitarbeiter erstellen schon seit Jahren Datenanalysen in Excel. Wir sind seit vielen Jahren in Unternehmen unterwegs und haben von einfachen Deckungsbeitragsrechnungen bis hin zu Frachtkostensimulationen, die den Arbeitsplatz gerne mal mehrere Stunden blockieren, schon alles gesehen. Offiziell benutzt kein Unternehmen Excel für relevante Auswertungen – ein wenig wie die Bildzeitung, die bekanntlich auch niemand liest.

    Um Auswertungen in Excel zu erleichtern und hoffähig zu machen, hat Microsoft mit der ersten Version des Power Pivot AddIns ein mächtiges und sehr konkurrenzfähiges Werkzeug entwickelt.

    Was hat das mit Power BI zu tun?

    Einer der Kritikpunkte an Excel-Auswertungen (und damit an Power Pivot Auswertungen) ist die Schwierigkeit der Verteilung. Meist verschicken die Nutzer die Dateien per E-Mail oder stellen sie auf einem Netzlaufwerk bereit. SharePoint, eine Intranet-Lösung von Microsoft bietet Funktionen für die Verteilung an, ohne dass Endbenutzer auf die Excel-Datei selbst Zugriff haben müssen. Aber nicht alle Unternehmen unterhalten SharePoint als Intranetsystem. Und nur mit SharePoint sind nicht alle Probleme gelöst. Daher hat Microsoft als völlig eigenständiges Produkt Power BI Desktop entwickelt. Eine kostenlose Software, mit der man Datenanalysen auf dem lokalen PC oder Laptop durchführen kann. Wenig verwunderlich ist, dass die Grundlage – das Datenmodell – gleich ist wie bei Power Pivot. Ein bereits vorhandenes Datenmodell aus Power Pivot lässt sich sogar in Power BI Desktop direkt übernehmen (die Gegenrichtung funktioniert nicht – noch nicht).

    In Excel dient Power Pivot als Dienst, um Daten effizient abzulegen und Berechnungen durchführen zu können. Die eigentliche Visualisierung erfolgt mit Excel-eigenen Elementen, wie Pivot-Diagrammen oder -Tabellen. In Power BI Desktop kommen völlig eigene Visualisierungen zum Einsatz. Diese Visualisierungen sind optisch moderner aber teilweise noch nicht so mächtig wie Entsprechungen in Excel. Die Funktionen entwickeln sich aber rasant. Aktuell erhält man fast jeden Monat ein Update von Power BI Desktop mit neuen Funktionen. Im Gegensatz zu Excel können in Power BI Desktop Visualisierungen von Drittanbietern ergänzt werden. Bereits jetzt gibt es eine nennenswerte Anzahl an Darstellungselementen im sogenannten Office Store.

    Visualisierungen in Power BI Desktop sind aber vor allem eins: Sie sind webfähig.

    Power BI Desktop / Power BI

    Während Power BI Desktop ein Werkzeug zur Datenanalyse auf dem lokalen Laptop oder PC ist, bietet Microsoft mit dem Power BI Service eine Online-Plattform für die Bereitstellung der lokal erstellen Ergebnisse. Noch besser: Auch ohne Power Pivot Desktop kann man im Online-Portal eigene Datenanalysen anlegen und verteilen.

    Als Benutzer registriert man sich dazu bei Power BI Online. Analysen, die in Power Pivot Desktop erstellt wurden, können direkt in den eigenen Account hochgeladen werden. Die Auswertungen können mit Kollegen im Unternehmen und sogar außerhalb des Unternehmens geteilt werden. Der Power BI Service integriert sich nahtlos in die Office 365 Suite von Microsoft.

    Die Daten verlassen das Unternehmen

    Die Daten gehen in “die Cloud”. “Die Cloud” ist noch so ein unscharfer Begriff. Die Daten gehen in ein Rechenzentrum, dass von Microsoft betrieben wird. Aktuell irgendwo in Irland und in den Niederlanden. Der Benutzer weiß das nicht so genau. Die Daten sind sicher – sicher nicht unsicherer als im eigenen Netzwerk.

    Power BI oder Power Pivot?

    Die gute Nachricht: 80% des Aufwands bei Datenanalysen fließen immer in die Datenbeschaffung, Strukturierung, Datenkorrektur und Planung, was man denn eigentlich darstellen will. Und das funktioniert bei beiden Werkzeugen gleich. Das Erlernte in dem einen Werkzeug kann direkt im anderen Werkzeug wiederverwendet werden. Möchte man später unternehmensübergreifend mit dem SQL-Server Analysis Service arbeiten (SSAS), wird man sich dort ebenfalls zurecht finden, da Datenmodelle, Abfragesprachen etc. identisch funktionieren.

    Aktuell kann man sagen, dass Power Pivot immer noch die Nase vorn hat, wenn man explorativ arbeitet, also auf Basis aktueller Daten Erkenntnisse gewinnen möchte. Power BI liegt aber sicher in Führung, wenn man Dashboards bauen möchte, mit denen jeden Tag gearbeitet wird und die Interaktion nicht im Mittelpunkt steht. Oder natürlich, wenn man von mobilen Endgräten auf die Dashboards zugreifen möchte. Eine scharfe Abgrenzung ist schwierig.

    Power BI Desktop ist kostenfrei. Laden Sie die Software runter und machen Sie sich selbst ein Bild!

    Lesen Sie auch unsere neuesten Blog-Artikel zu Power BI.

    Kategorien: Artikel, Grundlagen, Power BI
    Holger Gubbels

    Holger Gubbels ist Spezialist für alles, was mit Business Intelligence zu tun hat. Der Diplom-Informatiker strukturiert und löst als Data Scientist und Berater der mogular GmbH tagtäglich komplexe Problemstellungen rund um die Datenanalyse. Als Dozent der Hochschule für Technik Stuttgart ist er ein ausgewiesener Experte seines Fachs und gewohnt, Inhalte einfach zu erläutern. Genau das macht er auch hier in seinen Beiträgen für das PowerPivotInsights Blog. Zusätzlich ist er Autor für die Computerwoche und den Springer-Verlag. Sie erreichen ihn unter hg@mogular.com

    Antwort schreiben

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.